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Seite 6 von 8 Ihre Mimik verdunkelte sich augenblicklich. Sie legte eine Manschette ab und sagte: „Deinen linken Arm!“ Die Berührung ihrer Hände beim Anlegen der Manschetten empfand er als große Lust, und dass sie sich so mit ihm – NUR mit ihm! – beschäftigte, freute Richard unbeschreiblich, er war sogar ein wenig stolz. „Den rechten Arm!“ Beide Manschetten waren nicht besonders fest um seine Handgelenke gelegt, aber sie saßen gut. An ihnen waren jeweils ein Ring und ein Karabiner befestigt. ‚Sieht recht stabil aus..’ dachte er sich und ein wenig Unbehagen machte sich breit… was sie wohl mit ihm vor? Sie reichte ihm zwei Manschetten und sagte: „Die legst du nun selbst an.“ Sie beobachtete Richard, während er sich nicht sonderlich geschickt gehockt die Fesseln um die Fußgelenke legte. Dann kniete er wieder vor ihr und schaute sie an. Sie hatte noch eine fünfte Manschette in der Hand. “Dreh dich um!“ befahl sie. Dann legte sie ihm die Manschette um den Hals, zog zunächst stramm an, um ihn kurz zu zeigen, wie weit das gehen konnte und ließ dann diese Fessel wenig störend an seinem Hals. „Auf deine Position!“ herrschte sie ihn wieder an und er kniete wieder vor ihr. Den Kopf hielt er gesenkt. Sie lehnte sich zurück, betrachtete Richard eine Weile. Das war gar nicht lang, aber in seinem Hirn jagten sich die Gedanken. ‚Was macht sie denn jetzt?’ fragte er sich. ‚Was hat sie vor?’ Er spürte eine Mischung aus einer ungeheuren Anspannung und Erwartung, und ein wenig Angst. Bevor er sich seiner Angst bewusst werden konnte, sprach sie ihn an. „Wir beide werden nun reden. Sieh mich an!“ Richard erhob den Kopf und schaute sie an. „Du wirst nur antworten. Mit JA und mit NEIN.“ Sie musterte ihn und seine Mimik aufmerksam. „Hast du das verstanden?“ Richard nickte. Sie legte den Kopf ein wenig schief und fragte ein weiteres Mal: „Hast du das verstanden?“ Langsam nicke Richard ein weiteres Mal, sichtlich verwirrt und starrte sie mit offenem Mund unverhohlen an. Kurz schüttelte er den Kopf, als ob er einen Gedanken abschütteln musste und presste heraus: „Ja! Ja, ich habe es verstanden…“ – „Nein, hast du nicht.“ stellte sie fest, „aber dazu bist du heute hier. Um Verstehen zu lernen. Und vieles mehr…“ Sie lächelte ihn lieb an. „Bis jetzt hat das Jeder bei mir gelernt.“
„In unserem Gespräch werden wir herausfinden, was bei dir verbesserungswürdig ist, wo deine Schwächen liegen, was du tun kannst, um besser voran zu kommen. Das war es doch, was du gesucht hast, nicht wahr?“ Richard erinnerte sich an die Anzeige und an die „alte Zeit“. „Ja,…“ sagte er etwas irritiert, denn irgendwie hatte er das alles inzwischen vergessen, er war wie in einer anderen Welt – bis zu diesem Zeitpunkt. Plötzlich erschrak er innerlich, er starrte sie an, die ihre Augen zusammenkniff, als wolle sie ihn und seine Reaktion genauer sehen. „Fragst du dich gerade, was du hier tust?“ herrschte sie ihn an. Es war ihr Ton, der seine Gedanken wieder verschwinden ließ. Er sank in sich zusammen, gab sich seiner Rolle hin. Sie schaute ihn an, er spürte es. Er zitterte und bemerkte es. „Bist du ein ordentlicher Mensch?“ fragte sie ihn laut und scharf. Das riss ihn aus seinen Gedanken und er antwortete dennoch gepresst mit einem: „Ja.“ – „Du lügst!“ stellte sie sachlich fest. „Deine Kleidung hast du eben auf einen großen Haufen neben die Tür geworfen, so, wie du sie dir vom Leib gerissen hast!“ Sie wartete einen Augenblick, um ihn ein weiteres Mal zu fragen: „Bist du ein ordentlicher Mensch?“ und Richard antwortet mit einem kaum hörbaren „Nein.“ – „Etwas lauter!“ befahl sie ihm. „Nein!“ sagte er, diesmal laut und fest. „Willst du dir Mühe geben, ordentlicher zu sein?“ – „Ja!“ ‚Wo führt das nur hin’ dachte Richard, und eine kribbelnde Angst machte sich breit. „Bist du denn ein gehorsamer Mensch?“ – „Ja!“ sagte er selbstsicher fest und wagte es, den Kopf ein wenig zu heben. „Schau auf deine Hände. Ich hatte dir genaue Anweisung gegeben, wie die Hände im Knien zu liegen haben.“ Richards Hände ruhten mit den Handflächen nach unten auf seinen Oberschenkel, was er sofort berichtigte. „Bist du ein gehorsamer Mensch?“ wiederholte sie erneut. „Nein.“ Er sackte wieder in sich zusammen und wirkte klein und schuldig. „Willst du dir Mühe geben, gehorsamer zu sein? Ist das dein Ziel?“ fragte sie ihn. Richard nickte und antwortet mit Ja. „Du warst überpünktlich“, stellte sie fest, „und hast vor meinem Haus noch geraucht.“ Richard nickte. „Du hast die Kippe auf meinem Bürgersteig ausgetreten und liegen gelassen.“ ‚Auch das noch’, durchfuhr es ihn. „War es so?“ fragte sie ihn. Wieder nickte er und bejahte. „Andere sollen deinen Müll beseitigen? Sollen andere deine Kleidung ordnen und sollen andere für dich auf die richtige Ausführung von Anweisungen achten?“ Als Richard sich nicht regte, herrschte sie ihn an: „Ja oder nein, wie ist deine Antwort?“ – „Nein!“ presste er heraus. „Genau!“ sagte sie, „Denn das ist deine eigene Sache.“ „Und damit du ab heute bewusster daran denkst, alles besser und vor allem richtig zu machen, wird dieser Tag für dich zur Lehrstunde.“ Sie nahm vom Tischlein neben sich den letzten verbliebenen Gegenstand, eine Lederschlaufe mit Ring und befestigte sie am Karabiner des Halsbandes. Sie zog Richard damit nach vorne und sein Gesicht war dem ihren ganz nahe. Sehr leise sagte sie zu ihm: “Noch eine Anweisung: Wage es nicht…“ Ihre Augen waren sehr groß und drohend, „jetzt auch nur einmal ungehorsam zu sein!“
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