Autor Thema: Einheit was bedeutet das für euch?  (Gelesen 3868 mal)

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Offline Federball

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Einheit was bedeutet das für euch?
« am: 02.10.2016 15:57:01 »
Ein einiges Land was bedeutet das? Letztens ein Gespräch gehabt in dem es hieß es hätte die Alternative gegeben, dass die damalige DDR noch ein paar Jahre einen eigenen Weg hätte gehen können. War die Wiedervereinigung überstürzt oder doch eine einmalige Chance der Geschichte das man so schnell wie möglich hat festklopfen müssen.  :-\
Statistisch gibt es doch noch etliche Differenzen zwischen Ost und West muss man sich nur einmal die Arbeitslosenstatistik und das Einkommen ansehen. Vielleicht sind die Gemeinsamkeiten wichtiger denn je.
Schönen Feiertag in Ost und West.  :prost:

Offline hansi

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Antw: Einheit was bedeutet das für euch?
« Antwort #1 am: 02.10.2016 16:02:38 »
ist doch schön daß wir wieder ein geeintes land haben und das dazu noch eine Demokratie ist.

Offline silberseele reloaded

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Antw: Einheit was bedeutet das für euch?
« Antwort #2 am: 02.10.2016 20:01:30 »
Geboren und aufgewachsen in der ehemaligen DDR würde mir jetzt einiges einfallen, einiges, das ich, inzwischen Mutter und erziehungsberechtigt, vermisse... egal... seien wir froh, dass wir ein "einiges" Deutschland haben. ...
Jeder Mensch ist anders komisch.

Kerlchen

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Antw: Einheit was bedeutet das für euch?
« Antwort #3 am: 02.10.2016 22:01:24 »
Damals fand ich es überstürzt, weil die Regierung alle belogen hat (nur Oskar Lafontaine sagte die Wahrheit) und überhaupt kein Konzept existierte. Dann freute ich mich unheimlich, als wir die Einheit hatten. Danach - bis heute - ärgerte ich mich über die schamlose Ausbeutung der Ressourcen zugunsten einiger weniger westdeutscher Konzerne und Einzelpersonen (reich wie Dreck) - bis heute wurde dafür kein Pfennig an Steuern bezahlt!

Heute denke ich: War schon richtig so, denn: Längeres Zuwarten oder eine Zwei-Staaten-Lösung hätte die Gefahr in sich getragen, daß sich Sowjets und / oder die Franzosen es sich noch einmal anders überlegen... und unterm Strich zählt nur das.

Ironie der Geschichte: Zuerst wurde alles Gute der DDR sofort abgeschafft. JETZT wird es schrittweise wieder eingeführt und uns wird weisgemacht, es wäre etwas Neues... wäre ja auch hübsch-peinlich, müßte man zugeben, daß es sich um Errungenschaften des "real existierenden Sozialismus" handelt.

Schade allerdings: Die Solidarität untereinander, die einst die DDR-Gesellschaft besonders auszeichnete, scheint mir verloren zu gehen. Und das ist nur eine von vielen Besonderheiten, die wir im Westen vom Osten hätten lernen können!

Offline Lilli

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Antw: Einheit was bedeutet das für euch?
« Antwort #4 am: 03.10.2016 10:46:09 »
Wenn ich jetzt gen Osten gucke, wird mir ganz anders. 25 Jahre waren da einige wohl nur gedeckelt und es wird gehetzt auf Teufel komm raus. Das macht mir Angst und es fällt wieder auf, dass wir nichts gemein haben.
Ich weiß dass mein Text polarisiert. Dennoch. Das ist das was mir dazu einfällt.
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Offline Pat

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Antw: Einheit was bedeutet das für euch?
« Antwort #5 am: 03.10.2016 17:29:21 »
Ich freue mich, dass die beiden deutschen Staaten wieder zueinander gefunden haben.
Wir waren im Sommer im Osten im Urlaub, es sind tolle Landschaften, schöne Orte, nette Menschen.
Die paar Deppen, die da Stimmung machen, sind nicht die Mehrheit, da bin ich mir sehr sicher.
Auch hier bei uns wird gehetzt, aber hier haben vielleicht ein paar mehr den Arsch in der Hose, etwas gegen die Hetzer zu sagen.
Wir Deutsche haben viel gemeinsames: Eine lange Geschichte und eine gemeinsame Zukunft.

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Kerlchen

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Antw: Einheit was bedeutet das für euch?
« Antwort #6 am: 04.10.2016 01:10:16 »
Verzeihung - aber das ist doch nichts Neues...

Das gab es doch alles schon 1990 - ich war damals "drüben" und habe die Haß-Parolen an Trümmerwänden gesehen. Und da war doch noch Rostock-Lichtenhagen und schreckliche Vorkommnisse an anderen Orten. Es ist nichts Neues!!! Sondern war zu erwarten und es vorherzusehen, keine Kunst. Wozu also bitte die Aufregung und die Betroffenheit?

Ich finde, dem Osten wurde schon genug zugemutet. Kümmern wir uns doch mal um die Probleme hier im Westen - und tun nicht so, als gäbe es hier keine. DEM ist nämlich nicht so - die schlimmsten Feinde der Menschlichkeit sind unsere "lieben Nachbarn im Westen" ...

Im Osten dagegen gab es erst den Haß auf die "Fidschis" und andere Angehörige der "Bruderstaaten" schon zu DDR-Zeiten - es ist absolut nichts Neues! Neu ist, daß die "Hasser" immer jünger werden, und der Haß gewalttätiger... hm... - wie wäre es mit Arbeits- und Ausbildungsplätzen für diese Menschen?

Bitte - betrachtet es einmal so - Schockiert- und Betroffenheit helfen nicht einem Einzigen... aber der scharfe Blick auf Ursache und Wirkung vielleicht. Der Osten ist so schlecht nicht - kümmern wir uns mal lieber um unsere eigenen Probleme und die Rassisten im Westen, denn DAS sind eine ganze Menge! Groß genug, um sie endlich wirksam zu bekämpfen. Statt das "brave" Volk weiter auszubeuten.
« Letzte Änderung: 04.10.2016 01:13:41 von Kerlchen »

Offline Pat

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Antw: Einheit was bedeutet das für euch?
« Antwort #7 am: 04.10.2016 05:42:30 »
Oh, das liebe Kerlchen...
Ich wusste, dass du reagierst.

Nun bin ich aber gespannt auf deine Vorschläge! :-)
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Offline Lilli

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Antw: Einheit was bedeutet das für euch?
« Antwort #8 am: 04.10.2016 11:35:41 »
Ist ja klar, dass jeder das aus seiner regionalen Warte aus sieht. Nicht nur in Bezug auf den Osten. Man ist Kind seiner Region, das geht ja auch kaum anders.
Mir fällt immer auf, dass wir hier oben viel mehr mit den Skandinaviern gemein haben, als mit Süd- oder Ostdeutschen. Deren Denke und Verhalten (+Sprache!) sind mir oft fremd, während ich das in Dk nicht finde ( Einschränkung der kürzliche Rechtsruck).

Insofern wird klar, dass jeder anders geprägt ist, bis hin zu einem "Feindbild".
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Offline Vin

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Antw: Einheit was bedeutet das für euch?
« Antwort #9 am: 04.10.2016 12:32:53 »
Ich bin in den alten Bundesländern aufgewachsen und kannte das Transitprozedere nach Berlin-West ganz gut, wo ich seinerzeit selten, aber recht gern war. 19 Jahre alt bin ich gewesen, als die Grenzöffnung stattfand. Ich erinner mich noch als wäre es gestern gewesen. Vielleicht auch deswegen, weil ich diesen Sommer nach so langer Zeit mal auf den Spuren meiner Marinezeit auch dort war.:

Es war in meiner Grundausbildung in der Marinefernmeldeschule in Eckernförde. Wir waren an dem Abend auf dem Rückmarsch von unserer Durchschlageübung und bekamen nichts, aber wirklich gar nichts, von alledem mit und fielen nur noch müde und erschöpft in unsere Kojen. Am folgenden Morgen beim Antreten teilte unser Hauptbootsmann (den Namen weiß ich immer noch) uns mit, dass es zur Grenzöffnung am Vorabend kam und wir daher ein Wochenendausgangsverbot hätten, weil wir für evtl. Übersiedler die nicht genutzten Kasernenblöcke vorbereiten sollten (was am Ende auch genutzte betraf und einige von uns auf den Fluren schliefen). Mir gingen zig Gedanken in Bruchteilen von Sekunden durch den Kopf, denn ich habe in dem Moment nicht mit einem friedlichen Ausgang von alledem gerechnet. Gorbi hin und Gorbi her, aber ich hatte Perestoika gelesen und die instabile Situation in der damaligen Sowjetunion war mir, auch durch einen früheren Freund aus Jaroslawl, ziemlich gut bekannt. Die Rote Armee hatte einen großen Imageverlust durch die Niederlage in Afganistan, an der sie noch immer knabberte und ein nicht gerade kleines Heer dieser Truppen standen bekanntlicherweise in ihren Besatzungskasernen in Ostdeutschland Gewehr bei Fuß. Um so erfreulicher finde ich es heute, dass der friedliche Ausgang letztlich sogar den Sowjets zu verdanken ist, welche die Angriffspläne der NVA über Ostern 1990 durch die Verweigerung des Nachschubes durchkreuzten. Da kann ich heute noch sagen: "Danke Gorbi!"  :up:
Anmerkung: Die von uns hergerichteten Kasernenblöcke (für rund 150 Personen) wurden am Ende von nur fünf Familien genutzt, zu denen wir ein sehr freundschaftliches Verhältnis hatten.

Damals fand ich es überstürzt
So dachte ich damals und so sehe ich das heute auch noch. Für die Menschen dort drüben habe ich mich gefreut, aber die Politik überschlug sich total ohne wirklichen Verstand und Logik. Es ging alles einfach zu schnell. Es fehlte der Angleich zwischen Ost und West. und alles nur weil (meiner Meinung nach) Birne unbedingt der Kanzler der Einheit sein wollte. das sagte ich wohl etwas zu laut damals, was mir beim Bund eine einjährige Beförderungssperre einbrachte.

Ich bin nach wie vor der Ansicht, dass mit einer Parallelregierung mit offenen Grenzen in einem schrittweise angleichenden Politikverfahren bei einem offenen Grenzsystem, wie damals z.B. zu Ösetrreich, dem Volk und auch den politischen Problemen mehr geholfen gewesen wäre, als mit der ganzen überhasteten Wiedervereinigung. Diese Erkenntnis sollte unsere Regierung doch schon mit der Eingliederung des Saarlandes gewonnen haben.
Das hätte beiden deutschen Völkern (und durch die langen beiden deutschen Staaten waren es von der Mentalität her zwei schon zwei verschiedene Völker, da hat Lilli völlig Recht) erst einmal wieder die nötige Annährung gebracht die notwendig gewesen wäre, um sich besser zu verstehen. Denn ich bin auch der Ansicht, dass diese schnelle Freiheit etwas war, womit einige nicht umgehen konnten, was zu den vielen rechtsradikalen Gruppierungen am Anfang im Osten führte. Denn ich sehe das so, dass man dem Volk im Osten von heute auf morgen auch etwas ihres Lebens genommen hat: Ihre Nationalitätsmentalität. "Die Grenzen sind offen und nun habt ihr das zu machen, wie wir das wollen!" Das war in meinen Augen Grundverkehrt.
Zudem hätte man die Angleichung in Ost und West durchführen können. Denn nicht alles im Osten war schlecht und einiges davon hätte sicher bis heute auch im Westen einiges verbessert, wenn man mal alles in eine Schale geworfen und das beste versucht hätte von beiden Seiten zu behalten. Das wäre echte Politik gewesen. Aber das hätte ja mit Arbeit für die Politiker zusammengehangen, die fürs nichtstun eh schon zu viel bekommen.

Was bedeutet die Einheit nun wirklich für mich?
Ich arbeite in einem großen Betrieb in Berlin, das von den deuteschen Kollegen/innen her (wir haben auch Kollegen/innen aus vielen anderen Nationen) rund aus der Hälfte Ost und West besteht. Und ich muss sagen, das der Zusammenhalt der früheren Ostler (ich nenne sie jetzt einfach mal so) wesentlich größer ist, als der der früheren Westler. Auch das Improvisationstalent der früheren Ostler ist größer als das der Westler. Sie können sinngemäß echt aus Scheiße Bonbons machen und wissen vieles zu repariueren, wo die Westler schon lange alles neu gekauft hätten. Ich kann da zu Recht sagen, dass ich davon eine Menge gelernt habe. Gerade handwerklich.
Für mich ist die Einheit die Freude daran, mich durch das ganze Land bewegen zu können, ohne durch Grenzen, Todesstreifen oder Bespitzelung eingeschränkt zu sein. So haben wir zumindest politisch etwas erreicht. Bis die Einheit aber auch in den Köpfen beider damaligen teilvölker ganz vollzogen ist, werden sicher noch bis zu 20 weitere Jahre ins Land gehen. Denn dann wird es kaum noch jemanden geben, der sich an die deutsche Teilung aktiv erinnern kann.
- Die häufigste Ursache für trockene Haut sind Handtücher -

Offline Pat

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Antw: Einheit was bedeutet das für euch?
« Antwort #10 am: 04.10.2016 18:51:02 »
Ui Vin
da ist aber viel, was ich kritisieren möchte.
Aber ich reduziere mich auf eines: Du verallgemeinerst mir zu sehr.
Pauschalurteile sind nicht zielführend.

Abgesehen von alle dem: "Völker" wie die Bayern und die Hessen, die Schwaben und die (Nieder-)Sachsen, die haben wir "im Westen" auch. Treffen sich zwei Deutsche aus den unterschiedlichen  "Völkern" im anderssprachigen Ausland, sind sie Freunde, egal, ob aus dem Norden, dem Süden, dem Westen, dem Osten oder Hessen und Thüringen.

Ich bin Baujahr 1964 und werde hoffentlich in 20 Jahren meinen Ruhestand im Schaukelstuhl genießen und an die Zeit zurückdenken, als unser aller Birne "blühende Landschaften" sah. Kohl war seiner Zeit weit voraus, seine Glaskugel zeigte weit ins 21. Jahrhundert. Aber ich will die Wiedervereinigung nicht missen, ich mag die Menschen aus Sachsen und Thüringen, McPomm und Brandenburg, aus dem herrlichen Berlin und Sachsen-Anhalt! Und: Das ist alles unser aller Land.
Dennoch kann ich mich und ebenso diese vielen vielen Menschen aus 1964, 1963, 1965... sehr gut an die Grenzanlagen erinnern, an die spaßbefreiten Grenzer mit den tief ins Gesicht gezogenen Mützen, die Furcht im Zug bei den Kontrollen usw. erinnern. An die Flaschen mit Bier, Limo/Cola oder Wasser, die alle gleich aussahen und an die Pakete mit Kaffee und Maggi (...), die von uns in den Osten geschickt wurden. Und an den Honecker und den Mielke "Ich hab euch doch alle lieb!".... 
Wir hatten die Themen "Deutsche Teilung" und "Nationalsozialismus" so viele Jahr im Unterricht in der Schule, dass wir vom Römischen Reich und Karl, dem Großen nur am Rande erfuhren.

So what.
Und - dass man hinterher ja immer schlauer ist, das ist ja mal klar, gell.
LG
Pat
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Offline Vin

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Antw: Einheit was bedeutet das für euch?
« Antwort #11 am: 04.10.2016 21:55:31 »
Ui Vin
da ist aber viel, was ich kritisieren möchte.
Aber ich reduziere mich auf eines: Du verallgemeinerst mir zu sehr.

Liebe Pat, das ist eine Gewohnheit von mir. Das Thema ist eben sehr umfangreich, da im Detail kurz und bündig auf einen Nenner zu kommen ist sicher nicht leicht ;)

Abgesehen von alle dem: "Völker" wie die Bayern und die Hessen, die Schwaben und die (Nieder-)Sachsen, die haben wir "im Westen" auch. Treffen sich zwei Deutsche aus den unterschiedlichen  "Völkern" im anderssprachigen Ausland, sind sie Freunde, egal, ob aus dem Norden, dem Süden, dem Westen, dem Osten oder Hessen und Thüringen.

Dann möchte ich den Begriff, wie ich ihn hier meine, doch mal eben präzisieren/erläutern:
Durch die Teilung des landes, hat sich auch eine Teilung der Mentalitäten und somit der Einstellungen vollzogen. Aus einem Volk sind gewissermaßen zwei geworden, obwohl sie irgendwie doch immer eines geblieben sind. Das hat sich in einem langjährigen Prozess einfach auch so entwickelt. Als Folge dessen, dass die "Landsleute" im Osten zum großteil auch nur das erfahren haben, was deren Obrigkeit als/für angemessen und für die Volksgemeinschaft informativ hielt.
Gut sage ich es mal anders: Ein gemeinsames Volk und doch in einem langjährigem Prozess in zwei Teilnationalitäten gespalten. Durch die Unterdrückungen (teils psychisch und teils physisch) war man oft auf ich oder den engsten Vertrauten angewiesen. Das bringt einen total anderen Zusammenhalt, als wenn jeder machen kann, was er wann mag. Diese Erkenntnis habe ich aus vielen Gesprächen mit Landsleuten aus dem früheren Osten gesammelt.
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Kerlchen

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Antw: Einheit was bedeutet das für euch?
« Antwort #12 am: 05.10.2016 00:38:26 »
Moooment bitte... ich muss mich sammeln...

Eines vorab: Ein sehr schöner Austausch! Kompliment – in einem anderen Forum, das ebenfalls die Möglichkeit bietet, sich politisch auszutauschen, würden sich hier längst die Köppe eingeschlagen, weil die Streiter viel zu polarisiert und persönlich schreiben... Hut ab, DAS gibt es in der Spankingzentrale – den Usern sei Dank! - nicht.

Zur „Sache“:

@Pat: Du erwartest Vorschläge von mir? Wieso...? Natürlich hätte ich welche, aber... ich sehe bei diesem Fred gar nicht die „Aufforderung“, Vorschläge zu machen...

Und... hm... liebe Pat... ich finde interessant, daß Du „wusstest, daß“ ich reagiere... äh... was weiß ich da nicht? Woher kennst Du mich und woher weißt Du das so punktgenau einzuschätzen...? Was gibt es, was Du weißt von mir und ich nicht, DASS Du es weißt...? Nu bin ich neugierig...

Und sonst:

Ich finde Vin's Beitrag gar nicht verallgemeinernd. Es sind ehrliche, gute und gutgemeinte Gedanken und Gefühle eines echten 'Patrioten' – und das meine ich wortgetreu – denn 'Patriotismus' ist ja heuertags eher negativ besetzt. Himmel – ich wünschte, wir hätten mehr von der Art 'Patrioten mit Herz' – denn Patriotismus richtet sich qua Defintion nicht GEGEN jemanden, sondern FÜR die Volksgruppe, der man sich deshalb zugehörig fühlt, weil man in ihrer Mitte geboren wurde...

Und wenn das so ist, dann... ja dann bin ich auch einer! Und noch dazu einer, der dem alten Wilhelm Zwo nachtrauert! Ja!!! (Aber das erkläre ich besser später)

So... jetzt habe ich soviel gelabert, um vorab zu erklären, daß mein Beitrag zur Sache so lang würde, daß es eher davon abhält, weiter zu lesen, als ihm zu folgen...

Schaffe ich den Rest in drei Sätzen...? Ich will es versuchen. Deutschlands Einheit verdanken wir erstens den ostdeutschen Demonstranten, den Pfarrern mit Mut, den Ungarn-, Polen-, Tschechei- und Jugoslawien-Flüchtlingen, die durch ihre Vielzahl Druck erzeugten, zweitens den mutigen Ungarn, als sie den Zaun zerschnitten und damit geöffnet haben, und drittens der Nachsicht der Franzosen, der Sowjets und der weisen Briten...

Zweiter Satz:

Bitte... bedenkt alle nur Eines noch: Für uns im Westen war das „Tausendjährige Reich“ nach 12 Jahren beendet. Die Menschen in Mitteldeutschland – wie es damals hieß – hatten von 1933 bis 1990 eine Diktatur zu erleben. Äh... also bitte – das sind fast sechzig Jahre – zwei Generationen! Wie bitte soll eine Volksgruppe so einen Psycho-Wahnsinn denn in nur 25 Jahren verarbeiten...?

Dritter Satz: Sowohl die Deutschen in West als auch in Ost sind BELOGEN worden. Dem Osten machte man Versprechungen, bald blühende Landschaften zu bekommen. Dem Westen machte man Versprechungen, daß die Opfer hierzu vorübergehender Natur sein würden. Tja - „alles Lüge“

Sitzt einer dieser Herren wegen uneidlicher Falschaussage heute oder jemals zuvor im Knast...??? Nö... war ja nur Spaß...

PS: Hier sind die gesetzlichen Verjährungsfristen zu beachten. Und bis auf Herrn Schäuble sehe ich bei KEINEM der Herren einen Grund, Milde walten zu lassen. Wenn der politische Wille da wärem könnten gleich morgen die Manschetten klacken. Haftbefehl!!!

Offline Pat

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Antw: Einheit was bedeutet das für euch?
« Antwort #13 am: 05.10.2016 17:19:20 »
Die bösen, bösen Politiker... herrjeh, was die alles so falsch gemacht haben, nicht wahr!
Sie lügen und betrügen und stecken sich alles in die eigene Tasche.

Wahrheit ist, dass von den Menschen in den neuen Bundesländern viele in den Westen kamen. Wenn man dem entgegen steuern wollte, musste gehandelt werden. Natürlich hätte man zuschauen können, wie die östlichen Bundesländer noch bevölkerungsärmer werden, alle Jungen weggingen, während hier die Wohnungen noch knapper, die Arbeitsstellen noch weniger, die Löhne noch geringer geworden wären. Ach, das wäre dann sicher auch alles falsch gewesen, nicht wahr?

Einerseits sagt ihr, die Ostdeutschen waren traumatisiert von der Diktatur, andererseits lobt ihr deren Zusammenhalt und ihre Solidarität untereinander. Da besteht schon ein Zusammenhang, oder? Und dass auch bei uns die alten Nazis noch viele Jahre einige Ruder in der Hand behielten, davon sagt ihr auch nichts. Bei uns wäre nach meinem Eindruck ohne die wilden 60er - Studentenbewegung -, ohne die Frauenbewegung (die die DDR früher, intensiver und offener lebte) noch viel mehr im Argen. So ganz toll war es hier auch nicht, die Seilschaften, das Wegschauen, das Totschweigen hat noch viele Jahre angedauert.
Und alle Deutschen wissen: Lebensqualität macht man nicht nur von Bananen abhängig! Aber die Freiheit, hinzugehen, wohin man wollte, die fehlte. Im Osten durften es die Menschen nicht, im Westen konnten es sich viele Jahre lang nur die wenigsten leisten.

In unserem Land wird auf hohem Niveau gejammert, davon bin ich überzeugt.
Und nach wie vor werden die Schwächsten die sein, die die Prügel für alles abkriegen (ich meine nicht Spanking ;-) ): Waren es Anfang der 70er die Gastarbeiter, die "faulen Arbeitslosen", dann in den 90ern die Spätaussiedler und die "von drüben", sind es heute die Flüchtlinge. Neid bestimmt diese Gesellschaft, ihr Handeln.

So, noch mal auf die Einheit zurückzukommen: Dieses Gefühl habe ich nicht vergessen, damals, als die Demonstrationen losgingen, als in den Ostblockstaaten sich Menschen trauten, aufzustehen. Und dann dieser Satz vom Günter S., unfassbar, die Mauer ging auf! Wir hatten in den Fenstern damals im November 1989 Kerzen brennen und jedem knatternde Trabi oder Wartburg wurde gewunken. Einfach nur dieses große Glücksgefühl, dass diese Jahre der Mauern und Zäune, der Unfreiheit zu Ende waren.
Hat sich denn daran etwas geändert?
Diese Betonköpfe, die die Mauer zurück haben wollte, waren die jemals ernst zu nehmen? Für mich war das Geschwätz.
So wie diese Sprüche in den 70er/80er Jahren "So ein kleiner Hitler, der täte dem Land gut!" Lächerlich!

Die Geschichte ist fortgeschritten, wir haben die Teilung überwunden. Dem Land geht es gut, die Wirtschaftskraft ist hervorragend. Leider wurde nicht rechtzeitig auf die Tatsache reagiert, dass die geburtenschwachen Jahrgänge die Sozialleistungen, die von den geburtenstarken Jahrgängen gebraucht werden, nicht leisten können. Nun sitzen wir ziemlich in der Schei... mit den Sozialversicherungen. Und wenn die Politiker nicht bald Mut beweisen und unpopuläre Entscheidungen treffen (für wen auch immer!), werden die armen Alten immer mehr werden - die armen Jungen sind es ja leider schon geworden.
Also schauen wir lieber nach vorne, dahin, wo man noch etwas ändern kann. Denn hier muss man sehr wachsam sein in dieser Zeit. Sehr wachsam!
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(Anatole France)

Offline Marion

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Antw: Einheit was bedeutet das für euch?
« Antwort #14 am: 05.10.2016 22:44:15 »
Für mich bedeute die Einheit
dass man mit Geduld, Mut und Zeit viel erreichen kann.

Ja vieles ist vielleicht nicht gut gelaufen, aber wir sind zusammen gewachsen, was doch wundervoll ist.

Wenn wir uns nur darauf konzentrieren was alles falsch gelaufen ist und nicht darauf was jetzt ist und wie es jetzt am besten weiter geht, werden wir kein eiziges Problem lösen, und davon gibt es einige.

Ich glaube das wir alle aufhören sollten Deutschland in West und Ost zu trennen, denn diese Trennung ist Gott sei Dank nicht mehr gegeben.

Also auf in die neue Zeit und lösen wir die Probleme dieser Zeit.

Marion
Und wenn du dich auch an alle Gebote hälst
und hast die Liebe nicht
so hast du nichts